Traum vom Energiehof endet bitter

 

 Er wollte sich seinen Traum von der Selbstständigkeit und einem fortschrittlichen umweltfreundlichen Betrieb erfüllen. Doch innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich dieser Traum zu einem Albtraum. Jetzt sitzt der Forstwirt Vincenzo Ferrarese auf einem finanziellen
Schaden von rund 700 000 Euro und weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Es hatte alles sehr versprechend angefangen:
Im April 2013 erwarb Ferrarese das Grundstück der Gießhübelmühle auf Sulzfelder Gemarkung.  Dort, am äußersten Rand des Landkreises Karlsruhe, wollte Ferrarese einen Energiehof aufbauen. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit dem Verkauf von Brenn- und Stammholz. Das Holz gewinnt er durch Pflegemaßnahmen in regionalen Wäldern von Östringen bis Bretten. „Aus der Region für die Region“, lautet Ferrareses Motto.
Über die Brennholzproduktion kam der 39-Jährige auf die Idee für den Energiehof: Die Holzabfälle aus seiner täglichen Arbeit sollten im nahe gelegenen Industriegebiet verbrannt und die entstehende Wärme durch Blockheizkraftwerke in elektrische und thermische Energie umgewandelt werden. Diese Energie hätte Ferrarese gerne weiterverkauft und in das öffentliche Stromnetz eingespeist. „Mit einer elektrischen Leistung von 1,75 Megawatt
hätten wir einen großen Teil zur Stromentlastung beigetragen.“ In sogenannten
Kurzumtriebsplantagen sollten die Bäume für die Energiegewinnung separat angepflanzt und nachhaltig bewirtschaftet werden. Das Ziel: Mit nachwachsendenRohstoffen zur Energiewende beitragen. Die für das Projekt notwendigen Kraftwerke wollte er auf dem Grundstück der Mühle selbst bauen. Doch das Landratsamt untersagte Ferrarese eine Baugenehmigung, da dieser gegen das Baugesetzbuch verstoße.
„Danach darf man im Außenbereich nur bauen, wenn man ein privilegierter Forstwirt ist, das heißt: eine bestimmte Anzahl an Hektar Wald selbst bewirtschaftet“, erklärt Ute Ferrarese.
Ein privilegierter Forstwirt ist Ferrarese nicht. Es hat ihn aber auch niemand über diese Notwendigkeit informiert, als ihm Bürgermeisterin Sarina Pfründer das Grundstück eigens für sein Vorhaben vermittelte. Von Einschränkungen seien die Ferrareses zu keinem Zeitpunkt ausgegangen. Der Vorbesitzer betreibt am Standort nach wie vor einen Betrieb für Kaminofenhandel. Diesem wurden problemlos Baugenehmigungen zur Betriebserweiterung gewährt. „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, glaubt Ute Ferrarese.
Der Kontakt mit Pfründer liegt laut Ferrarese schon lange auf Eis. Antworten oder Hilfe bekomme er keine. „Wir hätten hier Pionierarbeit leisten können. Jeder sagt immer, er will die Energiewende, aber wir dürfen es nicht machen“, sagt Ferrarese und die Enttäuschung
steht ihm ins Gesicht geschrieben.
Kampflos aufgeben wollte Ferrarese aber nicht. Mehrmals kontaktierte er die Gemeinde, Kommunalpolitiker und den Vorsitzenden des örtlichen Gewerbevereins und bat um Stellungnahmen. Doch die blieben aus. „Zwei Jahre sind schon vergangen, ohne dass etwas passiert ist“, erzählt der 39-Jährige. Jetzt sind seine Finanzen aufgebraucht. Ein Wiederverkauf kommt, aufgrund des vielen Geldes, das bereits in der Mühle steckt, nicht in Frage.

Zurzeit betreibt Ferrarese ein Ein-Mann- Unternehmen: „Für die Blockkraftwerke waren acht Vollzeitarbeitsplätze angesetzt aber das hat sich ja jetzt erledigt.


Für den Forstwirt ist ein Lebenstraum geplatzt, von seiner Gemeinde fühlt er
sich im Stich gelassen
.

 

„Es wird immer von der Stärkung des ländlichen Raumes gesprochen. Das war auch mein
Ziel, aber davon spüre ich gar nichts.“

 

- Veröffentlicht in der BNN vom 18. April 2015 -